Das Tempelhofer Feld in Berlin – ein erkämpfter Erlebnisraum, wie es ihn nirgends sonst gibt, eine riesige Freifläche im Herzen der Millionenstadt.

Subjektiv nur durch den Horizont begrenzt, bietet es Raum für freie Gedanken, für Bewegung, Austausch und Zeitlosigkeit. Das Projekt macht dies erfahrbar, es zeigt zu Individuen erodierte Wegpunkte, die Bewegung im Raum, vor allem aber: Die Intensität und Vielfalt der Menschen, welche die Freiheiten dieses ganz speziellen Ortes zu nutzen wissen.

 

Kontext

Das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof polarisiert. Einerseits schätzen viele Bewohner der Stadt die besondere Qualität der Freifläche als Natur- und Erlebnisraum sowie als historisch bedeutsamen Ort. Durch einen Volksentscheid im Jahr 2014 erreichten Sie mit deutlicher Mehrheit den gesetzlichen Schutz des Areals. Und doch: Es herrscht Wohnungsnot in der Stadt, Politik und Immobilienwirtschaft schauen immer noch begehrlich auf das Areal, würden es gerne bebauen – und nur zu gerne dieses Gesetz wieder kippen.

Doch was macht diesen Ort so besonders, im hier und jetzt? Vieles was dort stattfindet, ist nur hier, “auf dem Feld” möglich – und vieles nirgends sonst in vergleichbarer Intensität. In einem Raum, der subjektiv nur durch den Horizont begrenzt wird – die Augen schauen entspannt und ohne Hindernis in die Ferne, wo sonst geht das inmitten einer Großstadt? Das Feld bietet viele Möglichkeiten, unter anderem ist es auch ein meditativer Ort, es bietet Raum sich zu bewegen und entfalten, Gedanken zu entwickeln und verwirklichen. Ín ein Gefühl von Weite und Zeitlosigkeit einzutauchen. Aus diesem Blickwinkel bin ich ihm selbst erstmalig begegnet, als ich mich auf eine Teilnahme am Berlin Marathon vorbereitete.

 

Projektbeschreibung

Meine Arbeit nähert sich dem Thema auf drei Ebenen, die einander ergänzen und transformieren: Raum, Akteure und Bewegung. Diese Mehrschichtigkeit unterscheidet sie von einer monothematischen

Eine Fotoserie zeigt mit grafischer Strenge die Materialität des Ortes, vermittelt ein Gefühl dafür, wie sich der vermessbare Raum durch die Einwirkung von Zeit, Umwelteinflüssen und durch menschliche Eingriffe verändert. Knapp 1200 rote Punkte markieren eine annähernd kreisförmige, das Areal umschließende Rundstrecke. Folgt man ihrer Spur und zieht Runde um Runde, ohne lineares Ziel – dann beginnen die Gedanken zu fließen, man wird auf sich selbst zurückgeworfen. Die Wahrnehmung verändert sich, manches verwischt, anderes wird klarer. Aus der gleichförmigen  Wegmarkierung treten Individuen hervor, von der Zeit am Boden angenagt. Manche werden vertraut – „Hallo, hab ich dich nicht schon mal gesehen? Was ist seitdem geschehen?“ Diese ‘Charakterköpfe’ unter den Punkten zeige ich dokumentarisch streng als reine Form mit hoher Dichte im Detail.

Der zweite Teil der Arbeit ist ebenfalls eine serielle Reihung von Fotografien, jedoch weniger streng. In reduzierten Portraits zeige ich Menschen, die mir auf dem Feld begegnen. Ich lasse sie innehalten, sich bewusst zeigen, ergänze das Umgebungslicht mit künstlichem Licht. In komprimierter Perspektive mit selektiver Schärfe ist der ganze Mensch  zu sehen, der Horizont als verbindendes Element bleibt in der Ferne wahrnehmbar, seine Höhe wird durch die sich dem jeweiligen Motiv anpassende Perspektive variiert.
Was bewegt diese Menschen, was suchen sie, was strahlen sie aus? Wie unterscheiden sie sich voneinander? Gibt es eine Schwingung, die sich bei aller Vielfalt doch als subtile Spur durch die Bilder zieht?

Als dritte Komponente ist eine Videoinstallation: Sie soll die subjektive Wahrnehmung der Bewegung im Raum fühlbar machen. Wechselnde Tages- und Jahreszeiten, sich ändernde Licht- und Wetterverhältnisse, in einer Schleife ohne erkennbaren Beginn oder Ende – wie die Runden, die man auf dem Feld zieht.

 

Präsentation

Bei der Hängung der Bilder lege ich Wert darauf, sie nicht als Sammlerobjekte zu inszenieren. Unterschiedliche Formate werden ohne Rahmung kombiniert, keine Bilderrahmen oder Passepartous, die Ausrichtung der Bilder erfolgt nicht anhand der Bildaußenkanten, stattdessen dient der Horizont im Bild als Orientierung, die gesamte Präsentation soll die Betrachter entlang einer Art Zeitstrahl durch einen Erlebnisraum führen.